Rede von Erika Rubinstein
Die heiße Vorbereitungsphase des Festivals sind Oktober und November. Monate, in denen die Bürgersteige ein Teppich voller bunter Blätter sind. Sie sind rot, braun, gelb, orange, schwarz und haben Hunderte Farbnuancen dazwischen. So sind auch die „Jüdischen Welten“ – eine nuancenreiche Farbpalette des Jüdischen Lebens, wo die Farben von dunkelschwarz für traurig und ausweglos bis rot-gelb wie optimistisch und lebendig reichen.
Auch dieses Jahr soll die Auswahl der Filme diese Farbpracht, diese Nuancierung widerspiegeln. Optimismus ist die Grundeinstellung des Judentums. Wie in „5 Tage ohne Nora“ oder „Simon Konianski“, bei denen man nicht recht weiß, ob man gerade weinen oder in der nächsten Einstellung schon lachen muss. Diese jüdischen Helden sind Loser, Schwächlinge, aber doch irgendwie witzig. Auch der reale Held Serge Gainsbourg, ein erfolgreicher Sänger, ein Frauenschwarm, wird sein Leben lang von seinem Alter Ego, dem kleinen hässlichen Juden mit dem großen Zinken im Gesicht in Zweifel gestürzt.
Ob fiktive Helden wie Mali und Toufik aus „Jaffa“ oder die junge Esther Blueburger, oder die realen Sara und Shulamit aus „Black Bus,“ die Kinder aus „Just Like Home“ – sie alle gehen ihren Weg aus dem Dunkel und dem Verlorensein ans Licht, in die Zukunft, in die Hoffnung. Und es gelingt Ihnen. Es wird auch uns den Festivalmachern und Zuschauern gelingen. Immerhin findet das Festival wieder statt, trotz aller Krisen. Und es wird wieder zu gleichen Zeit wie das jüdische Chanukka gefeiert – dem Fest des Lichts.
Erika Rubinstein
Intendantin
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